IMG 6134 gross aubrig

Heraklion 23.10.2022

Der Flug von Zürich kommt spät Abend an. Kurz vor 10 Uhr laufen wir zum Rollband mit dem Gepäck, wo erst das Gepäck aus Birmingham ausgespuckt wird und dann nach und nach unsere Taschen eine viertel Runde auf dem Band bis zu uns abspulen. Dann ist das Band plötzlich leer, von der Gitarre keine Spur. Auch der Besuch des "special baggage" Schalters bringt nichts zu Tag. Dann steht plötzlich eine Dame mit der Gitarre in der Hand vor mir. Persönliche Übergabe ist doch auch mal was. Durch das Herumirren kommen wir an einem anderen Ausgang aus dem Terminal als erwartet. Der gebuchte Taxifahrer steht nicht da. Welcome Pickus versprach uns online, dass Nikos Spanoudakis mit seinem Mercedes abholt und in die Stadt bringt. Schliesslich finden wir ihn. Kurz erklärt er den anderen wartenden Fahrern, dass ihre Gäste eventuell die andere Ausgangstür genommen haben. Wortlos laufen wir zum Taxi. Er lädt ein, wir laden uns ein und Nikos fährt uns in der üblich griechischen, rasanten Fahrt ins Hotel Kronos.

Kurz die Koffer abladen und raus zum Chinesen über der Strasse. Das winzige Restaurant ist fast leer. Die Tische direkt beim Meer. Wir lehnen uns zurück, bestellen Dumplings.

Wieder einmal denke ich mir, dass ein Flugzeug einen von einem bekannten Ort an einem anderen Ort wieder rauslässt. Der Name des Ortes steht am Terminal. Kreta. Aber es könnte ein anderer Ort in einem anderen Land sein oder gar nur in meinem Kopf. Vielleicht existiert für mich selbst auch immer nur gerade der Ort, an dem ich bin und die anderen Orte, Menschen, Dinge sind verschwunden. Mindestens so lange, bis ich wieder zurück bin, wieder unter ihnen.

Das Hotel hatte ich gebucht, weil es direkt am Meer ist. Zimmer mit Meersicht für einen zwanziger extra. Meersicht heisst leider auch Verkehrslärm, der Strasse zwischen Hotel und Meer lauschen. Fenster schliessen bringt nichts, also erdulden wir den Lärm, den die Gruppen von Fahrzeuge, die wie die Wellen, im fast gleichmässigen Abständen aufeinander folgten.

24.10.2022

 

11.11.2022 Von Xerakampos nach Sitia über Schotterpisten

Heute planen wir trotz des immer noch etwas bissigen Wind ein Tag am Strand von Alatsolimni in Xerakampos ein. Das Wasser fühlt sich doch schon ziemlich kalt an, wenn ich den Fuss mal reinstecke. Aber, es ist vielleicht der letzte Tag im Jahr, also rein ins Wasser. Ich halte es immerhin etwa 10 Minuten aus und finde es trotz der Frische schön noch etwas zu schwimmen. Doris will dann fast nicht mehr rauskommen. Schwimmt in Richtung offenes Meer, bis ich finde, sie sollte umdrehen. Eventuell hat es da draussen ja doch eine auswärts Strömung.

Nach dem Baden entscheiden wir nach Sitia zum Einkaufen zu fahren. Zur Abwechslung nehme ich nach Adravasti, die Abzweigung recht in Richtung Karidy, die wir auch schon gefahren sind. Sie führt in Serpentinen steil hinauf nach Karidi. In dem sehr kleinen Bergdorf entschliesse ich mich diesmal nicht Strasse links zu nehmen, sondern den Weg, der gerade aus führt und mit "Sitia 19 km" angeschrieben ist. Die Idee war nicht die beste. Unser Renault Clio hat eigentlich nicht das Zeug zum Geländewagen, die Strasse gehört aber definitiv zu dieser Kategorie. Die mit teils heftigen Furchen durchzogene Schotterpiste macht es unmöglich schneller, als 15-15 Stunden-Kilometer zu fahren. Auch nach zwanzig Minuten ist immer noch nichts von Asphalt zu sehen. Dafür kommen wir an herrlich kleinen Bergorten wie Mitato vorbei, wo höchstens noch ein paar wenige Menschen leben.

Irgendwann erhört uns dann der Gott der Unterböden und führt uns

 

 12.11.2022 Xerakampos - Zarkos

Heute war es wieder einmal windstill, nach den oft stürmischen Böen, der letzten Tage, die uns dennoch nie vom täglichen Schwimmen abgehalten hatte. So beschlossen wir, nach dem Frühstück und Doris' täglichen Gitarrenübungen wieder mal eine 1-stündige Wanderung zum Mazida Ammos Strand zu machen. Nach einigen hundert Metern wurden wir dann aber von hunderten von Mücken verfolgt und schön durchgestochen. Wir zwei in Badelatschen, kurzen Hosen und T-Shirts waren die willkommenen Opfer für die gefrässigen Tiere. Doris hatte es nicht einmal geschafft, die zahlreichen Katzen, die auf uns zukamen, zu füttern. Ich bin eigentlich nicht heikel, was Mückenstiche betrifft, das aber war definitiv zu viel. Ich weiss nicht genau, wie viele der Viecher ich auf den paar Metern zurück in unsere Wohnung erschlagen habe, aber es waren definitive mehr als die letzten zwei Sommer in der Schweiz.

Da die Katzen aber trotz Mückeninvasion gefüttert werden mussten, zogen wir uns ordentliche Hosen und langärmlige Oberteile an, packten alles ins Auto und wollten Strand fahren. Dort, so dachten wir, ist die Mückenplage kleiner. Falsch gedacht. Kaum aus dem Auto sind wir bereits umzingelt. Trotzdem runter zum Strand, die Hoffnung stirbt bekanntlich am Schluss. Sie starb unweigerlich beim ersten Meter Sand. Flucht zurück ins Auto.

Wir beschlossen, etwas in die Berge zu fahren, um die Mücken loszuwerden. Kurz nach Zarkos folgten wir dem Schild "to Zarkos Source". Das schmale Strässchen ging ortstypisch extrem steil den Berg hinauf und durch sehr enge Gassen, in denen die Bewohner, als gäbe es unserer Fahrkünste zu testen, noch diverse Autos abstellen. Zwei dreimal dachte ich, jetzt geht es in die Sackgasse oder wir bleiben zwischen den Mauern stecken. Nach der Siedlung geht es noch einmal steil bergauf zur Quelle von Zarkos. Ein Fussweg führt rechts weg und über einen schön ausgebauten Weg zur Quelle. Der Ort hat etwas Mystisches, wenn man ihn alleine begeht. Alles, was uns folgte, waren zwei kleine, gepflegte Katzen, die, kaum angehalten, auf uns zukamen.

Auf dem Rückweg kommen wir wieder an Zarkos vorbei und beschiessen im urchige, verlottertem Hotel Zarkos noch einen griechischen Salat zu essen. Das Hotel ist recht heruntergekommen, hat aber etwas Orientalisches an sich, dass einem das Gefühl gibt, ein echter Reisender zu sein und nicht bloss, ein Tourist auf Kreta.

News Slider

Cubical News

­